Die Anderen

Ich bin erwachsen geworden und mein Leben bis hierher war wirklich mit vielen Dramen und Unwegsamkeiten ausgestattet, die mich in meiner Persönlichkeit dahingehend beeinflussten, dass aus dem doch eher in sich gekehrten, etwas schüchternem Kind und rebellierenden Jugendlichen eine wahre Kämpfernatur hervorging!

Unbeugsam gegenüber Obrigkeiten. Der Schmerz und das Leid aller Lebewesen auf diesem Planeten schien durch meine Adern zu fließen und irgendwie hatte ich auch das Gefühl, da wo es mir möglich war, mich einmischen zu müssen. Mein Gerechtigkeitssinn war so stark ausgeprägt, dass, selbst wenn die betroffen Menschen mich weder darum gebeten hatten, noch es vielleicht wirklich einen Sinn machte, ich trotzdem etwas tun musste, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun.

Doch was ist Gerechtigkeit wirklich? Für jeden wohl etwas anderes.  Damals wurde eine Serie im Fernsehen ausgestrahlt, wo ein Richter, dem es nicht möglich war, aus Mangel an Beweisen, den offensichtlich Schuldigen zu verurteilen und seiner gerechten Strafe zuzuführen, zur Selbstjustiz griff.

Er ließ bei den so genannten „Kavaliersdelikten“ Milde walten und sagte den so Verschonten, er würde irgendwann auf sie zukommen und einen Gefallen einfordern und so legte er mit Hilfe dieser nicht Verurteilten, den wirklich „schweren Jungs“ eine Falle und konnte sie dann doch noch verurteilen. Das wichtigste aber an der ganzen Serie war für mich, der Moment, wenn er die Schuldigen laufen lassen musste, sagte er zu Ihnen:

„Justizia mag manchmal blind sein, doch die Gerechtigkeit kann im Dunkeln sehen.“ Dieser Satz wurde für mich zur Hymne.

Und ich wollte glauben, dass hinter all dem Schmerz, hinter all der Ungerechtigkeit, hinter all den Grausamkeiten, denen wir oft ausgesetzt sind, ein Sinn, eine Erlösung, eine Auflösung all dieser Umstände sich verbirgt und vor allem einem Jeden Gerechtigkeit zu Teil wird. Ich war unfähig zu akzeptieren, dass das Böse, ohne Grund und ohne Sinn und Verstand, einfach über uns kommen kann. Also sowas wie Willkür war für mich überhaupt keine Option, wie das Leben laufen sollte. Ich wollte nicht glauben, dass wir alle willkürlich den Lebensumständen ausgesetzt sind, ohne darauf Einfluss nehmen zu können.

Oder wenn schon nicht wir, dann auf jeden Fall eine höhere Instanz, ein höheres Wesen,

GOTT?!

Na auf jeden Fall begehrte ich, so lange ich die „Gott Frage“ noch nicht geklärt hatte, eben selbst auf.

Oh je und wie ich das tat. Sehr zum Leidwesen meiner Familie, Freunde und Kollegen. Wie sie sich vorstellen können, bedeutete das viele, viele Probleme, Konflikte und Konfrontationen in meinem jungen Leben. Und doch bei jedem Aufbegehren, bei jedem Einsatz all meiner Kräfte für das Gute, für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit, durchströmte mich eine Kraft und ein Gefühl der Macht, dass seines Gleichen suchte. Ich fühlte mich unverwundbar und es erlöste mich für eine Weile aus meinem Schmerz über den Zustand unserer Welt. Irgendwie war ich mit der ganzen Welt verbunden und fühlte alles, was es da so zu fühlen gab. Jedenfalls die heftigen Gefühle, wie Schmerz, Trauer, Verzweiflung. Mein Inneres sagte mir, dass so lange es Kindersoldaten in Afrika gibt, oder irgendwo auf der Welt ein Tier gequält wird, ein Mensch hungert oder die Natur verseucht wird oder oder…..die Aufzählungen wären unendlich, kann ich nicht zufrieden sein und die Menschheit doch eigentlich auch nicht oder?

ODER?

In mir sah ich eine andere Welt, so wie sie vielleicht gedacht war, wie sie hätte sein sollen oder einfach nur meine Wunschvorstellung.

Hm, viele Fragen türmten sich auf, nun wusste ich ja, dass es auch noch eine Welt der Geister gab.

Gibt es noch mehr?? Was geht dort vor sich?

Wie ist diese Welt beschaffen.

Was gibt es außer den Verstorbenen noch für Wesen?

Den Teufel vielleicht, Dämonen und, ja natürlich, was war mit Gott ?

Der, mit dem ich noch ein Hühnchen zu rupfen hatte, wenn er denn existierte. Wie kann man denn so eine Welt erschaffen, mit sooooo viel Leid für Alles und Jeden? Also was ist das denn für ein Saustall?!

Also sie merken schon, wie ich so drauf war in dieser Zeit. In keinem Fall einverstanden mit dem, was sich in meinem und in dem Leben der Anderen so abspielte.