Der erste Kontakt

Mein Vater starb als ich 12 Jahre alt war und ich träumte 6 Jahre lang seinen Tod voraus. Immer derselbe Traum? Woher wusste ich das? Mal abgesehen davon, dass ich 6 Jahre lang in Angst um meinen Vater lebte, drängte sich mir diese Frage auf. Wie war es möglich, dass ich 6 Jahre vorher wusste, dass mein Vater nicht mehr da sein würde?

Und so begann meine unglaubliche Reise der menschlichen Wahrnehmung. Die Motivation zu erfahren, ob er noch existierte und wenn ja wie und wie geht’s ihm da? Warum musste er so früh sterben? All diese Fragen trieben mich an, meine Angst zu überwinden und eine Tür (wenn sie denn existierte) ins Geisterreich zu öffnen. Ich war als Katholikin geboren, doch glaubte ich nie wirklich an Gott. Die Frage gibt es Geister, konnte ich aus mir heraus nur mit einem eindeutigen JA beantworten, ohne mich je wirklich mit dieser Welt auseinandergesetzt zu haben…bis dahin! Doch der Tod und die Sehnsucht nach meinem Vater, mit dem ich sehr stark verbunden war, hat mir Türen in Dimensionen geöffnet, von denen ich bis dahin auch nicht im Ansatz wusste, dass sie existieren.

Zu allererst wollte ich erfahren warum, denn mein Vater starb, keines natürlichen Todes, sondern er beging Selbstmord. Die Wut und der Schmerz über sein Weggehen und die Frage, ob und in welcher Form er vielleicht noch existierte, brannte Tag und Nacht in mir. Die Antwort kam nachts in einem Traum.

„Mein Vater begegnete mir in einem Kaufhaus, durchsichtig und schemenhaft, wie man sich klassisch einen Geist vorstellt und ich sagte: „Papa, du bist doch tot!?“  Und er lächelte liebevoll und sagte: „Ja und Nein, mein Körper existiert nicht mehr, da hast du recht, aber das, was ich bin, existiert weiter – ich hab euch nie ganz verlassen und ich bin Tag und Nacht in deiner Nähe, und wenn du soweit bist, werde ich dir nicht nur im Traum erscheinen, sondern werde mich direkt bemerkbar machen. Das dauert noch eine Weile bis du deine Angst soweit abgebaut hast, dass du für einen unmittelbaren Kontakt bereit bist. Ich verspreche dir ich bin nicht wirklich gegangen und wir werden uns bald wieder begegnen! Und dann löste er sich auf und ich erwachte“

Wow, was für ein Traum und war das wirklich nur ein Traum!? Oder sprach da wirklich mein Vater mit mir?

Nach dem Traum in dem mir mein Vater begegnete musste ich nicht lange auf die nächste  übersinnliche Begegnung warten. Ich war 13 Jahre alt und lebte mit meiner Mutter und meiner älteren Schwester Margitta in einer 3 Zimmer Wohnung in Aschaffenburg. Die Zeiten waren schwierig nach dem Tod meines Vaters, vor allem mit dem Wissen, dass er selbst offensichtlich sterben wollte. Mein Vater war für mich zu seinen Lebzeiten meine bis dahin liebevollste Verbindung zu einem Mensch, er war gütig voller Humor und hatte echte und ehrenhafte Ambitionen und wie ich heute weiß, war er in der Lage wirklich durch die Augen der Menschlichkeit zu sehen und er fehlte mir! Er war für lange Zeit der letzte Mensch, der in der Lage war mich wirklich zu sehen und Freude zu empfinden über mein so sein. Er war es, der mir Anstand und Ehre beibrachte. Bei ihm waren es nicht nur leere Erziehungsmaßnahmen, sondern wahre Werte und wenn ich ehrlich bin wäre ich ohne die Beeinflussung meines Vaters ein ziemlich verzogenes Gör geworden.

Meine Familie lebte bis zu seinem Tod nicht gerade in Armut, meine Eltern waren ganz erfolgreiche Geschäftsleute und so musste ich bis zu meinem 12 Lebensjahr keinen Mangel erfahren. Mein Leben änderte sich abrupt, als mein Vater ging.

Meine Mutter war mit der Situation völlig überfordert. Mein Vater war bis zu seinem Tod selbständiger Immobilienmakler und nun war es an meiner Mutter die Geschäfte zu führen und / oder alles aufzulösen. Wir wurden innerhalb kürzester Zeit von einem sogenannten guten Lebensstandard in einen echten Überlebenskampf katapultiert. Ich will das gar nicht weiter ausführen, doch Sie können sich vorstellen, wie es uns emotional ging! Umso größer mein Schmerz und Die Sehnsucht nach meinem Papa.

Eines Nachts, ich denke so um die 2 Uhr herum, wurde ich wach, weil ich dachte mein Vater hätte nach mir gesehen, so wie früher. Ich hatte das Gefühl, er hat mir über die Haare gestreichelt und ich hatte seinen Geruch in der Nase. Als mich die Erkenntnis traf, dass das gar nicht sein kann, war ich total erschrocken, der Eindruck des angefasst werden und der Geruch waren so real, als wäre er wirklich an meinem Bett gewesen. Was sollte ich von all dem halten, drehe ich jetzt durch, weil mein Vater mir so fehlt? Oder versucht er wirklich mich zu erreichen?

Diese Begebenheit, immer derselbe Ablauf, wiederholte sich regelmäßig nachts immer um ca. 2 Uhr. Ich war jedes Mal total aufgewühlt, auch oft voller Angst, es war keine Angst vor meinem Vater, sondern vor dieser unbekannten und eigentlich unmöglich existierenden feinstofflichen Welt.

Nach den ersten Nächten mit diesem neuen Kontakt, wurde ich Zunehmens entspannter und war nicht immer total aus dem Häuschen. Also versuchte ich einen Dialog.

Doch, wie redet man mit jemandem oder etwas, dass man nicht sehen, sondern nur fühlen kann!?

Und ich fragte mich auch, ist er allein oder sind da noch mehr…….oh je……….noch mehr Geister. Ich war unendlich neugierig, aber auch die Angst hatte mich ganz gut im Griff. Eines Nachts fasste ich mir ein Herz, nachdem er mich wieder auf die übliche Weise aus dem Schlaf geholt hatte und sprach ihn an.

Ich sagte „Papa, ok. Du kannst alles mit mir machen, aber Du und die anderen dürft mir nicht erscheinen, ihr könnt mit mir reden, aber macht euch nie sichtbar“. Das würde mich zu Tode erschrecken…….ich war wie jedes andere Kind, das eigentlich Angst vor Geister hatte und sich darunter was Angst einflößendes vorstellte.

Und so war es……..ich konnte all seine Liebe, Fürsorge und auch manchmal seine Trauer spüren……..doch ich konnte nie etwas sehen. Aber allein seine doch häufige Anwesenheit tröstete mich auf eine Weise, die man nicht beschreiben kann. Mein Gott er war noch da!! Und ich konnte ihn spüren. Natürlich hatte ich tausende Fragen, doch das mit dem Kommunizieren, war dann wieder eine andere Hürde, die es zu nehmen galt.

Die Zeit verging und meine nächtlichen Wachstunden waren aufreibend, aber auch wichtig für mich. Die Angst vor anderen Geistern, die ich nicht kannte und vielleicht nicht so gut und lieb, wie es mein Vater ist, nahm zu und raubte mir zusätzlich den Schlaf.

Doch wie konnte ich der Wahrheit über die Existenz meines Vaters und von Geistern, Verstorbenen noch weiter auf den Grund gehen……….es musste eine Möglichkeit,  geben direkt zu kommunizieren. Wie machen das denn die anderen, die sogenannten Mediums und Hellsichtigen? Und auch hier ließ die Antwort nicht lange auf sich warten.

Zu dieser Zeit führte ich mit meiner Mutter zusammen ein Sonnenstudio und hier gingen natürlich viele Menschen ein und aus, unter anderem auch ein evangelischer Pfarrer.

Ab und zu, wenn er da war unterhielten wir uns und irgendwann kam die Sprache auf meinen verstorbenen Vater und er fragte mich ganz unverblümt, ob ich schon mit ihm gesprochen hätte?

Wie bitte………ein Pfarrer fragte mich das. Und er ging noch weiter und sagte, Du weisst doch, das das geht oder? Du kannst Dich mit ihm unterhalten……….

Ich erzählte ihm meine bisherigen Erlebnisse und er sagte, dass er selbst mit ein paar Menschen aus seiner Gemeinde, regelmäßig Sessions abhielt, um mit Verstorbenen zu kommunizieren, aber nicht nur mit Verstorbenen, sondern man kann auch mit Engeln und Gott direkt kommunizieren.

Oh je – Gott, mit dem ich so gar nichts am Hut hatte.

Ich ließ Gott erst mal auf sich beruhen.

Mir begegnete ebenfalls im Sonnenstudio eine Frau, die das sogenannte “ Gläser rücken“ abhielt. Auch ihr erzählte ich von meinem verstorbenen Vater und sie fragte, ob sie ihn in einer Ihrer Sitzungen mal rufen sollte!?

Sie merkte, dass ich für eine Sitzung, bei der ich direkt anwesend sein würde, noch nicht bereit war. Ich nahm also Ihr Angebot an und wartete aufgeregt auf ihren nächsten Besuch. Und wirklich, ich hatte ihr nichts über die Umstände oder über meinen Vater direkt etwas erzählt. Was sie zu berichten hatte, traf mich tief ins Herz und fachte meine  Neugier noch weiter an. Sie erzählte mir, dass sie ihn tatsächlich in die „Leitung“ bekam und dass er ein humorvoller Mensch gewesen wäre, er hätte ständig rumgealbert. Und das stimmt, mein Vater hatte viel Humor. Er hätte irgendwas von dem Gewürz Maggi erzählt und sie wüsste nicht genau, was er damit meinte………..ich musste schmunzeln…….gemeint war wohl meine Schwester Margitta, deren Spitzname Maggy ist. Hm….. kein geläufiger Name……und woher konnte sie das wissen, wenn nicht tatsächlich mein Vater ihr das durchgab. Die entscheidende Aussage aber war, dass sie mir etwas ausrichten sollte, sie soll mich fragen, ob ich mich an den Traum erinnerte, wo ich ihm im Kaufhaus begegnete?! Oh je, jetzt war mir flau, heiß und kalt zugleich. Also war alles real, was ich erlebt hatte, ich habe mir nichts davon eingebildet. Erlösend und beängstigend zugleich. Es existierte also, außer der Welt der Lebenden, noch eine andere Welt!

Sie sollte mir auch noch ausrichten, dass er wirklich sterben wollte.
Uff, das musste ich jetzt erst mal verdauen. Ich hatte ihr nicht erzählt, dass er einen Freitod wählte und auch nicht, dass ich mir mit der Akzeptanz dieses Umstandes sehr, sehr schwer tat. Ich wollte glauben, dass es ein Unfall war, ein Versehen, unglückliche Umstände oder, oder oder………nur nicht, dass mein Vater absichtlich starb! Ich war wütend, wie konnte er nur?!

Und genau diese Wut, die ja letzten Endes Schmerz ist, trieb mich weiter an! Jetzt wollte ich natürlich wissen, wie und warum es dazu kommen konnte. Welche Umstände trieben meinen Vater in den Selbstmord?

Natürlich hatte ich die Aussagen meiner Mutter, doch die waren mir nicht genug, ich wollte es von ihm hören – direkt! Zumal ich kein wirklich gutes Verhältnis zu meiner Mutter hatte, es war nie besonders lieb oder herzlich zwischen uns, doch nach dem Tod meines Vaters, wurde es noch schlimmer, da ich ihr unterm Strich die Schuld an dem Selbstmord meines geliebten „Papa“ gab. Und ich war  so ein richtiges „Papa Kind“. Ich wollte die Geschichten über ihn von ihr nicht hören. Ich wollte es nicht von IHR hören, sondern von IHM.

Die Zeit eilte weiter voran und wir zogen viel um und umher, wie Zigeuner, die nach ihrer Heimat suchen, die sie verloren hatten. Es war eine wirklich schwierige Zeit. Natürlich rief ich immer wieder nach meinem Vater und ich bekam auch immer irgendwelche Zeichen.

Und nicht nur von meinem Vater, wie ich mit der Zeit herausfand.